Die Türkei und die VAE nehmen ähnliche geografische Positionen ein – Brücken zwischen Ost und West, mehrheitlich muslimische Staaten mit säkularer Wirtschaftsordnung und Volkswirtschaften, die Ressourcenreichtum mit unternehmerischer Energie verbinden. Doch für Fachkräfte oder Unternehmer, die sich zwischen Istanbul und Dubai als Standort entscheiden, offenbart der Vergleich zwei grundlegend unterschiedliche Optionen.
Die dramatische Abwertung der türkischen Lira, eine Verbraucherinflation, die zeitweise mehr als 70 % jährlich überschritten hat, sowie ein komplexes regulatorisches Umfeld haben viele türkische Fachkräfte und Unternehmer in Richtung der VAE bewegt. Gleichzeitig ziehen der tiefe Binnenmarkt der Türkei, der Zugang zur EU-Zollunion sowie deutlich niedrigere Lebenshaltungskosten weiterhin Unternehmen an, die europäische Nähe zu Schwellenmarktpreisen benötigen.
Das gesamtwirtschaftliche Bild
Die türkische Wirtschaft ist die 19.-größte weltweit, getragen von einem Binnenmarkt mit 85 Millionen Menschen, einem diversifizierten verarbeitenden Gewerbe und einer jungen, gut ausgebildeten Erwerbsbevölkerung. Doch die makroökonomische Volatilität der vergangenen Jahre hat ein Umfeld geschaffen, in dem langfristige Unternehmensplanung eine Toleranz für Unsicherheit erfordert, die viele Unternehmer als zermürbend empfinden.
Die Wirtschaft der VAE ist in absoluten Zahlen kleiner, agiert jedoch in einem Umfeld bemerkenswerter monetärer Stabilität. Die Bindung des AED an den US-Dollar beseitigt das Währungsrisiko. Die Inflation liegt unverändert bei 2–4 % pro Jahr. Das regulatorische Umfeld ist, wenngleich nicht ohne seine Komplexität, nach regionalen Maßstäben vorhersehbar und transparent.
Steuern und Nettoeinkommen
Die Türkei erhebt progressive Einkommensteuersätze von bis zu 40 % auf Einkünfte über 1,9 Millionen TRY, zuzüglich verpflichtender Sozialversicherungsbeiträge. Die Körperschaftsteuer liegt bei 25 %. Die VAE erheben keine Einkommensteuer, und die Körperschaftsteuer von 9 % mit erheblichen Befreiungen für Freizonen schafft ein deutlich anderes steuerliches Umfeld. Für einen türkischen Unternehmer, der den Gegenwert von 200.000 USD jährlich verdient, kann der Umzug nach Dubai das Nettoeinkommen um 30 bis 40 % steigern.
Lebenshaltungskosten
Die Türkei bietet dramatisch niedrigere Kosten für Wohnen, Lebensmittel und den täglichen Bedarf, insbesondere außerhalb Istanbuls. Ein angenehmer Lebensstil für Familien in Antalya oder Izmir lässt sich für einen Bruchteil der Kosten eines vergleichbaren Lebens in Dubai aufrechterhalten. Istanbuls erstklassige Lagen wie Bebek, Nişantaşı und Etiler nähern sich bei Wohnimmobilien dem Preisniveau Dubais an, bleiben jedoch bei Gastronomie, Unterhaltung und haushaltsnahen Dienstleistungen deutlich günstiger.
Dieser Kostenvorteil muss jedoch gegen die Inflationsdynamik der Türkei abgewogen werden. Ein in türkischer Lira abgeschlossener Mietvertrag, der im Januar erschwinglich wirkte, kann sich bis Dezember als belastend erweisen. In US-Dollar vereinbarte Mieten, die im Istanbuler Expatriate-Markt üblich sind, schalten dieses Risiko aus – zugleich aber auch den Kostenvorteil.
Für türkische Unternehmer, die internationale Geschäfte führen, lautet die praktische Frage oft nicht „Wo sollte ich leben?", sondern „Wo sollte meine Finanzverwaltung sein?". Die Antwort ist zunehmend: in den VAE.
Geschäftsumfeld
Das regulatorische Umfeld der VAE, die einfache Unternehmensgründung, der Bankzugang und die kommerzielle Infrastruktur gelten allgemein als unternehmensfreundlicher. Ein Unternehmen in einer Freizone lässt sich in Dubai innerhalb einer Woche gründen; ein vergleichbarer Prozess in der Türkei kann mehrere Wochen dauern und mit größeren bürokratischen Reibungsverlusten verbunden sein. Das Bankwesen in den VAE bietet – bei allen eigenen Herausforderungen – unkomplizierte internationale Überweisungen, Mehrwährungskonten und Korrespondenzbankbeziehungen, die türkische Banken zunehmend nur schwer aufrechterhalten können.
Die Türkei bietet etwas, das die VAE nicht bieten können: einen riesigen inländischen Verbrauchermarkt. Für Unternehmen, deren Hauptumsatz von türkischen Verbrauchern stammt, gibt es keinen Ersatz für einen Standort in der Türkei. Doch für Unternehmen, deren Kunden international sind, bietet die Drehkreuz-Positionierung der VAE einen breiteren Marktzugang bei geringeren operativen Reibungsverlusten.
Polaris berät türkische Unternehmer und Fachkräfte zur Aufenthaltsberechtigung in den VAE, zur Unternehmensgründung und zur Einbindung von VAE-Geschäftstätigkeiten in bestehende türkische Unternehmensstrukturen. Kontaktieren Sie uns unter info@polaris.ae.