Familienunternehmen sind das Rückgrat des Privatsektors der VAE. Den meisten Schätzungen zufolge befinden sich über 90 % der Handelsunternehmen in der Region in Familienbesitz, und sie tragen gemeinsam einen überproportionalen Anteil am BIP, an der Beschäftigung und an der Wirtschaftstätigkeit. Dennoch bleiben die Governance-Strukturen, die ihren Fortbestand sichern würden, für viele auf gefährliche Weise informell.
Die VAE haben darauf mit Gesetzesinitiativen reagiert, die erstmals formelle Rahmenwerke für die Governance von Familienunternehmen, die Nachfolgeplanung und die Streitbeilegung schaffen. Für Familienunternehmen, die auf der Grundlage von Handschlagvereinbarungen und stillschweigenden Übereinkünften geführt wurden, sind diese Rahmenwerke zugleich Chance und Weckruf.
Die Herausforderung der Nachfolge
Die Statistiken zur Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen sind weltweit ernüchternd, und die VAE bilden hier keine Ausnahme. Weniger als 30 % der Familienunternehmen überstehen den Übergang in die zweite Generation. Bis zur dritten Generation sinkt die Überlebensrate unter 15 %. Die Ursachen sind durchgängig dieselben: unklare Eigentümerstrukturen, undokumentierte Governance-Regelungen, ungelöste Familienkonflikte sowie das Fehlen von Mechanismen, die familiäre Dynamiken von der unternehmerischen Entscheidungsfindung trennen.
In den VAE werden diese Herausforderungen zusätzlich dadurch verschärft, dass die Erbregeln der Scharia auf handelsrechtliche Eigentümerstrukturen treffen. Ohne angemessene Planung kann der Tod eines Firmengründers eine zwangsweise Aufteilung des Unternehmensvermögens unter den Erben auslösen, und zwar nach Formeln, die nie für Handelsunternehmen gedacht waren.
Die gefährlichste Annahme, die ein Familienunternehmen treffen kann, ist, dass die nächste Generation die Dinge schon „regeln" wird. Ohne formelle Governance-Strukturen stehen die Chancen überwältigend schlecht.
DIFC-Rahmenwerk für Familienunternehmen
DIFC hat ein Rahmenwerk zur Fortführung von Familienunternehmen (Family Business Continuation Framework) geschaffen, das Mechanismen für die Erarbeitung einer Familienverfassung, für Governance-Gremienstrukturen, für die Streitbeilegung und für Nachfolgeprotokolle bereitstellt. Das Rahmenwerk adressiert die spezifische Herausforderung, vor der Familienunternehmen stehen: das Zusammentreffen familiärer Dynamiken mit der unternehmerischen Entscheidungsfindung.
Planungsinstrumente
Sowohl DIFC als auch ADGM bieten Trusts und Stiftungen als Instrumente der Nachfolgeplanung an. Für Familienunternehmen erfüllen diese einen doppelten Zweck: Sie sind zum einen ein Mechanismus zur Übertragung von Eigentum über Generationen hinweg, ohne Ereignisse einer Unternehmensumstrukturierung auszulösen, und zum anderen Governance-Rahmenwerke, die das Engagement jedes einzelnen Familienmitglieds überdauern.
Nichtmuslimische Expatriates können beim DIFC Wills Service Centre Testamente registrieren lassen und darin die Verteilung der in den VAE belegenen Vermögenswerte nach ihren eigenen Wünschen festlegen. Für Inhaber von Familienunternehmen ist die Registrierung eines DIFC-Testaments, das die Anteile an der operativen Gesellschaft regelt, ein wesentlicher und häufig vernachlässigter Planungsschritt.
Polaris berät Mandanten mit Familienunternehmen bei der Governance-Strukturierung, der Errichtung von Trusts und Stiftungen sowie bei der Nachfolgeplanung. Kontaktieren Sie uns unter info@polaris.ae.