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19. Juli 2026Märkte & WirtschaftGeopolitik & Handel

Was die Family Offices der Welt uns gerade mitgeteilt haben: Resilienz, Multishoring und die neue Landkarte des Privatkapitals

UBS befragte 307 Family Offices, die Vermögen von Familien mit durchschnittlich 2,7 Milliarden Dollar verwalten — und die Ergebnisse lesen sich wie ein Lastenheft für die Mehrländerstrukturen, die wir täglich bauen. Rekordhafte 60% planen Änderungen der strategischen Allokation, zwei Drittel erwarten schwindendes Dollarvertrauen, und fast neun von zehn halten bereits Bankvermögen in zwei oder mehr Jurisdiktionen.

Strategiedokumente und Charts auf einem Schreibtisch

Einmal im Jahr erhält die Vermögensverwaltungsbranche einen ungewöhnlich ehrlichen Blick in das Innere der anspruchsvollsten Privatanleger der Welt. Der UBS Global Family Office Report 2026 bündelt die Antworten von 307 Family Offices aus mehr als 30 Märkten — Familien mit durchschnittlich 2,7 Milliarden Dollar Nettovermögen, deren Offices im Schnitt je 1,3 Milliarden und zusammen 627 Milliarden verwalten. Diesen Institutionen stehen jeder Berater, jede Jurisdiktion und jedes Instrument offen. Was sie mit dieser Freiheit tatsächlich tun, ist das Nächste an offenbarten Präferenzen, das unsere Branche kennt — und in diesem Jahr positionieren sie sich in einem Tempo neu, das die Autoren des Reports noch nie gemessen haben.

Drei Befunde überragen alle anderen. Erstens: 60% der befragten Family Offices planen, ihre strategische Asset-Allokation binnen zwölf Monaten zu ändern — der höchste Wert in der siebenjährigen Geschichte des Reports und fast das Doppelte der 35% des Vorjahres. Zweitens erodiert das Vertrauen in die Reserverolle des US-Dollars sichtbar: 65% erwarten eine Schwächung im kommenden Jahr, und der Dollar ist die einzige große Währung, in der sich ein erheblicher Teil der Befragten — 47% — als überexponiert beschreibt. Drittens, und für unsere Praxis am relevantesten: 88% der Family Offices halten bereits Bankvermögen in zwei oder mehr Jurisdiktionen. Multishoring — die bewusste Verteilung von Strukturen, Konten und rechtlicher Präsenz über mehrere Länder — ist leise zur Standardarchitektur ernsthaften Privatvermögens geworden.

Risiko ist strukturell geworden, nicht zyklisch

Das Risikokapitel erklärt warum. Auf zwölf Monate nennen 64% einen großen geopolitischen Konflikt als Hauptsorge. Aufschlussreicher aber ist die Fünfjahresspalte: Die Sorge vor einer Schuldenkrise verdoppelt sich nahezu von 31% auf 56%, die Rezessionsangst springt von 17% auf 50%, die Furcht vor einer Finanzmarktkrise steigt von 27% auf 51%, Cyberangriffe klettern von 32% auf 43%. Die geduldigsten Investoren der Welt behandeln die heutige Turbulenz nicht mehr als vorübergehenden Sturm. Sie bauen Portfolios — und Rechtsstrukturen — für ein Jahrzehnt, in dem erhöhtes, vernetztes Risiko die Grundlinie ist.

Sorgen der Family Offices: 12 Monate vs. 5 JahreGeopolitischer Konflikt64% → 61%Schuldenkrise31% → 56%Finanzmarktkrise27% → 51%Globale Rezession17% → 50%Cyberangriff32% → 43%Anteil der Nennungen je Risiko. Quelle: UBS Global Family Office Report 2026.

Genau diese Neurahmung — Risiko als Dauerzustand statt Zyklusphase — trennt Jurisdiktionsdiversifikation von bloßer Portfoliodiversifikation. Aktien kann eine Familie an einem Nachmittag umschichten. Eine zweite Bankbeziehung, ein zweiter Substanzpunkt, eine zweite Aufenthaltsoption brauchen Monate — weshalb die Familien dieser Umfrage vor Jahren begonnen haben und 88% heute wie selbstverständlich in mehreren Ländern banken. Die Vermögenstransfer-Spezialisten des Reports sagen es unumwunden: Für wohlhabende Familien geht es bei Vermögen über Jurisdiktionen hinweg um Resilienz, Rechtsschutz und Zugang — Steuern sind sekundär —, und das Kapital strömt zu einer kleinen Zahl vertrauenswürdiger Hubs.

Die Dollarfrage — und wohin die Alternativen führen

Die Währungsbefunde verdienen sorgfältige Lektüre, denn sie sind nuancierter als die Schlagzeilen. Eine Flucht aus dem Dollar findet nicht statt: Nordamerikanische Anlagen stellen weiter 52–53% der globalen Portfolios, und US-Familien haben ihre Heimatquote sogar auf 88% erhöht. Was sich ändert, ist der Rahmen um den Dollar: 29% der Offices haben Dollarpositionen reduziert oder erwägen es; 30% verstärken die Währungsdiversifikation; rund ein Fünftel hält Liquidität bewusst in mehreren Währungen zugleich. Die bevorzugten Alternativen sind eindeutig: Schweizer Franken und Euro führen, Yen und Pfund bilden die zweite Reihe. Innerhalb der Anlageklassen zeigt sich dieselbe maßvolle Rekalibrierung: Immobilien sinken von 11% auf 8%, Gold steigt von 2% auf 3%, Infrastruktur verdoppelt sich von 1% auf 2%. Keine Revolution — das geduldige Wenden sehr großer Schiffe, das an Muster erinnert, die wir in unseren Beiträgen über Bankensysteme über ihrer Gewichtsklasse und den Korridor VAE–Georgien beschrieben haben.

Modernes Interieur einer Privatbank

KI-Überzeugung, Krypto-Normalisierung

Das Themenkapitel trägt zwei Signale. Künstliche Intelligenz bleibt die dominante Überzeugung: 65% der Offices halten KI-Investments — Rechenzentren, Softwareplattformen, Halbleiter —, und trotz verbreiteter Blasenangst will die überwältigende Mehrheit die Exponierung halten oder ausbauen. Leiser wurde eine andere Schwelle überschritten: 24% der Offices melden Krypto-Exponierung — typischerweise bescheidene 1% —, doch 44% der Investierten behandeln sie als Teil der strategischen Allokation, und die Verwahrung läuft fast vollständig über regulierte Institute. Diese Präferenz für institutionelle Verwahrung bestätigt exakt den regulatorischen Mittelweg, den wir in unserer Analyse von Georgiens VASP-Regime beschrieben haben: Ernsthaftes Kapital berührt digitale Vermögenswerte nur dort, wo glaubwürdige Aufsicht und ein williges Bankensystem koexistieren.

Was Milliardärsverhalten für Familien mit hundert Millionen bedeutet

Es ist verlockend, diesen Report als interessant, aber fern abzulegen. Das wäre ein Fehler. Die dokumentierten Strategien — Multishoring, Währungsdiversifikation, Substanz in mehreren Jurisdiktionen, institutionelle Governance — sind keine skalenabhängigen Luxusgüter. Es sind Architekturen, und Architekturen skalieren nach unten. Eine Familie mit 20 Millionen und einem operativen Geschäft steht vor denselben Fragen wie der Durchschnittsbefragte mit 2,7 Milliarden: Wo sitzt die Holding, wo leben die Bankbeziehungen, welche zweite Residenz schützt die Familie, und wie greifen die Teile steuereffizient ineinander? Der Unterschied: Die Milliardärsfamilie beschäftigt elf Menschen mit der Antwort. Alle anderen brauchen einen Partner, der die Maschine schon gebaut hat. Unser eigener Fußabdruck deckt sich fast zeilengenau mit den Befunden: Die bevorzugten Währungen — Franken und Euro — erreichen Polaris-Strukturen über die Schweiz und Zypern; das Kapital konsolidiert sich in vertrauenswürdigen Hubs — unsere Plattform umfasst die VAE und Georgien, dessen Fall wir im Überblick zum georgischen Steuersystem dargelegt haben; und die leise Warnung der Umfrage — dass Resilienz über Portfolios hinaus in Rechtsstrukturen, Aufenthalt und Bankzugang reichen muss — ist in einem Satz das Geschäft, für das wir lizenziert sind.

Family Offices institutionalisieren, was kluge Familien immer wussten: sich bei Banking, Rechtsheimat und Zukunft nie auf ein einziges Land zu verlassen. Der Report 2026 legt nur Zahlen darunter.— Mohanad Almeshal, Mitgründer & Corporate Counsel, Polaris Corporate Services
Wichtigste Erkenntnisse
  • UBS befragte 307 Family Offices (Durchschnittsvermögen 2,7 Mrd. USD); rekordhafte 60% planen Allokationsänderungen binnen 12 Monaten — nach 35% im Vorjahr.
  • 65% erwarten schwindendes Vertrauen in die Reserverolle des Dollars; 47% nennen sich überexponiert; Franken und Euro sind die bevorzugten Diversifikationswährungen.
  • 88% der Offices halten Bankvermögen in zwei oder mehr Jurisdiktionen — Multishoring ist die Standardarchitektur.
  • Fünfjahressorgen steigen steil: Schuldenkrise 31%→56%, Rezession 17%→50%, Marktkrise 27%→51%.
  • Geplante Verschiebungen: Immobilien 11%→8%, Gold 2%→3%, Infrastruktur 1%→2%; 24% halten Krypto, fast ausschließlich institutionell verwahrt.

Polaris-Perspektive

Polaris baut genau die Multishoring-Architektur, die dieser Report beschreibt — skaliert für Familien und Unternehmer, nicht nur für Milliardenoffices. Als lizenzierter TCSP unter Aufsicht des VAE-Ministeriums für Wirtschaft und Tourismus, mit eigener Gesellschaft in Batumi und Strukturen bis Zypern und in die Schweiz entwerfen wir Holdingstrukturen, koordinieren grenzüberschreitende Steuerplanung über die vier Plattformen und bereiten die Bankakten vor, die Papierstrukturen in funktionierende Konten verwandeln.

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