Die VAE traten 2026 mit einer Entwicklung an, die das vereinfachende Narrativ vom „Ölstaat“ widerlegt, zu dem internationale Kommentatoren noch gelegentlich greifen. Die Nicht-Öl-Sektoren machen inzwischen über 70 % des BIP aus. Technologie, Finanzdienstleistungen, Logistik, Tourismus und das verarbeitende Gewerbe haben sich zu den wichtigsten Wachstumsmotoren entwickelt. Die Wirtschaft diversifiziert sich nicht mehr, sie hat sich bereits diversifiziert.
BIP und die Geschichte der Diversifizierung
Die jüngsten Prognosen des IWF zählen die VAE zu den am schnellsten wachsenden fortgeschrittenen Volkswirtschaften der MENA-Region; das BIP-Wachstum außerhalb des Ölsektors übertrifft dabei die Einnahmen aus Kohlenwasserstoffen im fünften Jahr in Folge. Die Dienstleistungswirtschaft Dubais, getragen von Tourismus, Immobilien, Finanzintermediation und Handel, wächst weiter. Die staatlichen Investmentplattformen Abu Dhabis – ADIA, Mubadala und ADQ – setzen international zunehmend Kapital ein und erzielen Renditen, die über Investitionen in Infrastruktur, Technologie und Humankapital in die heimische Wirtschaft zurückfließen.
Die Einführung der Körperschaftsteuer hat die Unternehmensgründung nicht gedämpft; sie wurde offenbar ohne nennenswerte Störung der Wachstumsentwicklung verkraftet. Die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen sind weiter gestiegen, das deutet darauf hin, dass internationale Investoren die Steuer von 9 % mit ihren großzügigen Freizonenbefreiungen als angemessenen Preis dafür ansehen, in einer zunehmend hochentwickelten und gut regulierten Rechtsordnung tätig zu sein.
Vitalität des Privatsektors
Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global für die VAE befindet sich seit über zwei Jahren im expansiven Bereich, wobei das Volumen der Neuaufträge, die Beschäftigung und die Produktion allesamt positive Trends aufweisen. Die Zahl der Neugründungen von Unternehmen wächst weiter in den Freizonen und Festland-Rechtsordnungen, mit einer besonders starken Aktivität in den Bereichen Technologie, professionelle Dienstleistungen und E-Commerce.
Das Beschäftigungswachstum ist in den meisten professionellen Sektoren positiv verlaufen, auch wenn der Markt im Wettbewerb um Talente anspruchsvoller geworden ist. Die Erweiterung der Golden-Visa-Kategorien, der grünen Visa und der Freelancer-Genehmigungen hat einen flexibleren Arbeitsmarkt geschaffen, auf dem Arbeitnehmende, insbesondere solche mit einem unabhängigen Aufenthaltsstatus, über mehr Mobilität und Verhandlungsmacht verfügen als in früheren Zyklen.
Die VAE diversifizieren sich nicht mehr. Sie haben sich diversifiziert. Die Frage für Unternehmen lautet nicht länger „Wird sich die Wirtschaft wandeln?“, sondern „Wie positioniere ich mich, um von dem bereits vollzogenen Wandel zu profitieren?“
Auswirkungen auf die Unternehmensplanung
Für Unternehmen, die einen Markteintritt in den VAE oder eine Expansion in Erwägung ziehen, stützen die makroökonomischen Fundamentaldaten ein mittelfristiges Vertrauen. Das Umfeld ist jedoch auch anspruchsvoller geworden. Die regulatorische Infrastruktur – Körperschaftsteuer, Anforderungen an die wirtschaftliche Substanz, AML-Compliance, Verrechnungspreis-Dokumentation – bringt es mit sich, dass die Kosten mangelhafter Planung ebenso deutlich gestiegen sind wie die Chancen.
Die VAE belohnen gut strukturierte, mit regulatorischer Disziplin geführte Geschäftstätigkeiten. Sie ahnden Ad-hoc-Vorgehensweisen, undokumentierte Strukturen und nachträglich bedachte Compliance strenger als früher. Das ist alles in allem eine positive Entwicklung: Sie hebt die Qualität des Geschäftsumfelds und schützt seriöse Akteure davor, von jenen unterboten zu werden, die regulatorische Pflichten als freiwillig betrachten.
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